Moore als Ökosystem und ihre Bedeutung
Moore sind Ökosysteme, deren Boden aus Torf besteht – einem organischen Substrat, das sich über Jahrtausende durch die unvollständige Zersetzung von Pflanzenmaterial, insbesondere von Torfmoosen (Sphagnum spp.), gebildet hat. Deutschland zählte historisch zu den moorreichsten Ländern Mitteleuropas. Hochmoore, die ausschließlich durch Regenwasser gespeist werden, und Niedermoore, die Grundwasser- oder Überschwemmungseinfluss haben, nehmen in Deutschland unterschiedliche Anteile der Gesamtfläche ein.
Moore erfüllen mehrere ökologische Funktionen: Sie speichern Kohlenstoff in großen Mengen, regulieren den lokalen Wasserhaushalt, bieten Lebensraum für spezialisierte Tier- und Pflanzenarten und können den Hochwasserschutz in umliegenden Gebieten unterstützen. Diese Funktionen sind an einen hohen Wasserstand und das Wachstum von Torfmoosen gebunden.
Historische Entwässerung und Kolonisierung
Der weitaus größte Teil des Moorverlustes in Deutschland geht auf Entwässerungsmaßnahmen zurück, die über mehrere Jahrhunderte mit staatlicher Förderung vorangetrieben wurden. Besonders intensive Phasen der Moorkultivierung fanden im 18. und 19. Jahrhundert statt. Friedrich II. von Preußen ordnete im 18. Jahrhundert die systematische Besiedlung von Moorflächen in Norddeutschland an, um Ackerland zu gewinnen.
Für die Entwässerung wurden Gräben angelegt, die den Grundwasserstand dauerhaft absenkten. Damit endete das Torfmooswachstum, das nur bei dauerhaft wassergesättigten Bedingungen möglich ist. Die bereits gebildeten Torfschichten oxidieren nach der Entwässerung und setzen dabei den gespeicherten Kohlenstoff als CO₂ frei.
Kohlenstoffspeicherung in Mooren
Intakte Moore binden über geologische Zeiträume Kohlenstoff. Entwässerte Moore hingegen emittieren Treibhausgase. Das Umweltbundesamt veröffentlicht regelmäßig Daten zu den Treibhausgasemissionen aus entwässerten Moorböden in Deutschland.
Industrieller Torfabbau
Neben der landwirtschaftlichen Entwässerung hat der industrielle Torfabbau erhebliche Moorflächen vernichtet. Torf wurde und wird als Brennstoff sowie als Substrat in der Gartenwirtschaft verwendet. In Niedersachsen und anderen norddeutschen Bundesländern bestehen noch heute aktive Torfabbauflächen, deren Zulässigkeit unter Naturschützern seit Jahrzehnten diskutiert wird.
Der Bundesverband der Torf- und Humuswerke sowie das Bundesamt für Naturschutz (BfN) stehen in einem anhaltenden Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichen Interessen und Moorschutzzielen. Auf Bundesebene wird seit mehreren Jahren über einen Ausstiegsfahrplan aus dem Torfabbau verhandelt.
Atmosphärische Stickstoffeinträge
Ein weiterer, in der öffentlichen Diskussion weniger bekannter Faktor ist der Eintrag reaktiver Stickstoffverbindungen aus Landwirtschaft und Verkehr. Torfmoos-Hochmoore sind nährstoffarme Systeme, die auf die Konkurrenz durch nährstoffliebende Pflanzenarten empfindlich reagieren. Erhöhte Stickstoffeinträge begünstigen das Aufkommen von Pfeifengras (Molinia caerulea) und anderen Arten, die Torfmoos verdrängen können. Das Umweltbundesamt dokumentiert, dass viele Hochmoorstandorte in Deutschland über dem kritischen Belastungswert (Critical Load) für Stickstoff liegen.
Klimawandel als zusätzliche Belastung
Zunehmende Trockenphasen in den Sommermonaten belasten auch renaturierte oder noch intakte Moorstandorte. Torfmoos benötigt konstant hohe Bodenwasserstände; längere Trockenperioden können zum Absterben von Torfmoosdecken führen, selbst wenn die infrastrukturellen Entwässerungen bereits beseitigt wurden.