Ziele der Moorwiedervernässung
Die Wiedervernässung entwässerter Moore hat mehrere ökologische Ziele: Die Wiederherstellung torfbildender Verhältnisse, die Reduktion von Treibhausgasemissionen aus dem Torfkörper, die Verbesserung des lokalen Wasserhaushalts und die Schaffung von Lebensraum für moorspezifische Arten. Diese Ziele lassen sich nicht immer gleichzeitig und vollständig erreichen – insbesondere wenn der Torf bereits stark oxidiert oder verdichtet ist.
Es ist wichtig festzuhalten, dass die Wiedervernässung eines entwässerten Moores nicht automatisch zur Regeneration eines intakten Hochmoores führt. Die Wiederherstellung eines torfbildenden Systems kann Jahrzehnte bis Jahrhunderte dauern; in diesem Zeitraum ist das Moor zumindest ein deutlich geringerer Emittent als ein trockengefallenes.
Grabenstaue
Die einfachste und kostengünstigste Methode der Wiedervernässung ist die Abdämmung von Entwässerungsgräben. Durch den Einbau von Stauwehren oder das vollständige Verfüllen von Gräben wird der Wasserabfluss verlangsamt oder gestoppt. Der Grundwasserstand steigt daraufhin wieder an.
Grabenstaue sind besonders dort effektiv, wo das Gelände noch relativ eben ist und die Torfsetzung nicht zu stark fortgeschritten ist. In stark geneigten Geländen oder bei tief eingegrabenen Gräben sind Grabenstaue allein oft nicht ausreichend.
Materialien für Grabenstaue sind Torf (wenn verfügbar), Holzblöcke, Betonfertigteile oder Schüttgut. In Schutzgebieten wird bevorzugt standortgerechtes Material eingesetzt, um den Eingriff minimal zu halten.
Hinweis zu Planungsanforderungen
Wiedervernässungsmaßnahmen in Naturschutzgebieten erfordern in der Regel eine Abstimmung mit der zuständigen Naturschutzbehörde sowie eine Prüfung nach Wasserrecht. In Niedersachsen gibt das NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) Leitlinien für Moorrenaturierungen heraus.
Dammbauten
Wo ein einzelner Graben nicht ausreicht oder wo das Wasser in einem größeren Einzugsgebiet zurückgehalten werden soll, werden Dammbauwerke errichtet. Diese können aus Torf, Mineralerde oder anderen Materialien bestehen und müssen so dimensioniert werden, dass sie auch bei Starkregenereignissen standhalten. Bei größeren Projekten sind hydrologische Berechnungen notwendig, um die Überstauung angrenzender Flächen zu vermeiden.
Gehölzentfernung
Entwässerte Moore werden häufig von Gehölzen – insbesondere Birken (Betula pendula und B. pubescens), Kiefern (Pinus sylvestris) und Faulbaum (Frangula alnus) – besiedelt. Diese erhöhen die Evapotranspiration und entziehen dem Boden Wasser. Die Entfernung von Gehölzen ist daher oft ein notwendiger Schritt vor oder parallel zur Wiedervernässung. Entscheidend ist dabei, ob die Biomasse abtransportiert oder vor Ort belassen wird; beides hat Vor- und Nachteile für die Nährstoffbilanz.
Torfaufschüttungen und Profilierung
In manchen Fällen wird durch den Betrieb schwerer Maschinen der Torf derart verdichtet, dass Wasser nicht eindringen kann. Eine Geländeprofilierung oder Torfaufschüttung kann notwendig sein, um einen gleichmäßigen Wasserstand zu erreichen. Diese Maßnahmen sind aufwändig und werden nur bei größeren Projekten mit entsprechender Finanzierung durchgeführt.
Erfolgskontrolle
Die Wirksamkeit von Wiedervernässungsmaßnahmen wird durch die Messung des Grundwasserstands (Pegelstände), die Beobachtung der Vegetation (Ausbreitung von Torfmoosen, Rückgang von Gehölzen) und gelegentlich durch Treibhausgasmessungen dokumentiert. In Deutschland führen das BfN, das NLWKN und universitäre Forschungseinrichtungen langfristige Monitoringprogramme an renaturierten Moorstandorten durch.